Erklärung
zum Tag des offenen Denkmals 2012
- Holz -



Das Thema des diesjährigen Denkmaltags – „Holz“ – ist Anlass, uns sprichwörtlich damit auseinanderzusetzen: was das bisherige Herangehen an die Gestaltung unseres denkmalgeschützten Schlossberg-Areals angeht, sind wir mit vielen Neustrelitzern der Überzeugung dass die Verantwortlichen dabei immer noch „auf dem Holzweg“ sind.

Das wurde vor allem mit dem völlig inakzeptablen Ergebnis des studentischen Ideen-Wettbewerbs deutlich - was wir überhaupt nicht brauchen ist eine sinnentleerte „Erinnerungsstätte“ für ein verloren gegangenes Schloss, ist das Offenhalten einer durch ideologische Verbohrtheit von Vertretern zweier totalitärer Regime gerissenen städtebaulichen Wunde, ist eine „neue Idee“ für den Schlossberg.

Wir haben für uns und unsere Nachkommen eine Idee aus dem 18. Jahrhundert zu bewahren!
  • Bereits 2009 haben wir mit dem Strategiepapier „Den Schlosskeller erhalten und erleben“ Vorschläge für einen denkmalgerechten Umgang mit der Gründungsstätte unserer Stadt gemacht.
  • In diesem Jahr haben über 500 Bürger und Gäste unserer Stadt Ministerpräsident Erwin Sellering aufgefordert, sich persönlich dafür einzusetzen.

In beiden Fällen gibt es bis jetzt keine Reaktion auf dieses bürgerschaftliche Engagement!


Einem mit dem Neustrelitzer Residenzschloss verbundenen Ereignis, dem 100. Jubiläum der Annahme und Verkündung der ersten demokratischen Landesverfassung (Freistaat Mecklenburg-Strelitz) im Deutschen Reich nach der Revolution von 1918 im Jahre 2019, gehen wir mit großen Schritten entgegen. Dies sollte uns endlich Anlass sein, den „Holzweg“ zu verlassen und uns ernsthaft auf der Basis der Charta von Venedig einem denkmalgerechten Umgang mit diesem historischen Ort zuzuwenden.

Die Charta von Venedig als unumstrittene Grundlage baulicher Denkmalpflege in Deutschland und natürlich auch Mecklenburg-Vorpommern bestimmt, Restaurierung (bzw. Rekonstruktion) sei zwar „eine Maßnahme, die Ausnahmecharakter behalten sollte. Ihr Ziel ist es, die ästhetischen und historischen Werte des Denkmals zu bewahren und zu erschließen. Sie gründet sich auf die Respektierung des überlieferten Bestandes und auf authentische Dokumente. Sie findet dort ihre Grenze, wo die Hypothese beginnt. Wenn es aus ästhetischen oder technischen Gründen notwendig ist, etwas wiederherzustellen, von dem man nicht weiß, wie es ausgesehen hat, wird sich das ergänzende Werk von der bestehenden Kopie abheben und den Stempel unserer Zeit tragen. Zu einer Restaurierung gehören vorbereitende und begleitende archäologische, kunst- und geschichts-wissenschaftliche Untersuchungen.“

Natürlich gehört also die Kopie (auch eines Bauwerkes) zu den anerkannten denkmalpflegerischen Mitteln - ein Wiederaufbau des Schlosses als Bezugspunkt für die gesamte Residenzstadt ist also geboten, unabhängig davon wann und vor allem mit welcher sinnvollen Nutzung eine Realisierung möglich sein wird.

Keinesfalls verkennen wir gerade in diesem Zusammenhang die umfangreichen Sanierungsmaßnahmen des Betriebes für Bau und Liegenschaften an landeseigenen Gebäuden und im Schlossgarten Neustrelitz, die in diesen Tagen unübersehbar sind und die Attraktivität der Stadt deutlich erhöhen werden.

22 Jahre nach dem Beginn des Wiederaufbaus demokratischer Verhältnisse in Neustrelitz aber ist es zumindest für „vorbereitende und begleitende archäologische, kunst- und geschichtswissenschaftliche Untersuchungen“ auch auf dem Schlossberg allerhöchste Zeit. Eine Denkmalszerstörung wie in unserer Marktmitte, zu der auch die sträfliche Unterlassung rechtzeitiger vorbereitender Untersuchungen beigetragen hat, dürfen wir nicht wieder zulassen.

Dieses Minimalziel erfordert nach der bautechnischen Aufnahme, die vorhandene Baustanz zu sichern, zu retten und einer Nutzung zuzuführen. Die Erstnutzung muss darin bestehen, dem Besucher das Residenzschloss so erlebbar zu machen dass er eine Vorstellung vom ganzen Schlossensemble und der Geschichte des Großherzogtums und des Freistaates erhält. Dazu gehört auch eine bauliche Umhüllung, die eine ganzjährige Besichtigung und Nutzung möglich macht, denn nur so lässt sich der finanzielle Aufwand vertreten.

Die Landesregierung und ihre Vertreter haben in der Vergangenheit mehrfach auf die wichtige Infrastrukturaufgabe der Standortentwicklung rund um den Schlossberg hingewiesen und bereits zum September 2008 sollte ein schlüssiges Konzept dafür vorliegen.

Deshalb fordern wir sowohl die Landesregierung, als auch fachlich begleitend das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege erneut auf, jetzt unverzüglich die notwendigen Maßnahmen festzulegen und noch bis zum Jahresende konkrete Schritte unter Einbeziehung der Neustrelitzer Bürger einzuleiten.


Neustrelitz, d. 07. September 2012



Jürgen Haase
Vereinsvorsitzender