Erklärung zum Tag des offenen Denkmals 2010

Residenzschlossverein Neustrelitz begrüßt Entscheidung zum Erhalt der Baumalleen in der Mittelachse des Schlossgartens Neustrelitz

Der Neustrelitzer Schlossgarten ist eines der hochrangigsten Zeugnisse der Gartenbaukunst vergangener Jahrhunderte in unserem Bundesland Mecklenburg-Vorpommern.

Die verstärkte Hinwendung des Eigentümers, des Landes M-V, zur Erhaltung dieses Gartendenkmales führte zunächst zu umfangreichen Bestandaufnahmen und Planungen, über welche die Öffentlichkeit regelmäßig informiert wurde.
So sehr dieser Prozess durch uns Neustrelitzer begrüßt wurde, stießen sowohl einige geplante Maßnahmen, als auch die vorgesehene zeitliche Abfolge schnell auf Kritik und Unverständnis.
Dies betrifft insbesondere die zunächst beabsichtigte Fällung und Ersetzung der vor ca. 30 Jahren neu gepflanzten Alleebäume der Mittelachse und das zeitliche Hinausschieben der Sanierung der Springbrunnenanlage.

Zur Erinnerung: Mitglieder von 10 Neustrelitzer Vereinen forderten bereits vor Jahren die Landesbehörden auf, die Springbrunnenanlage unverzüglich zu sanieren, die Stadt bot wegen der zunächst im Landeshaushalt nicht verfügbaren Mittel eine Zwischenfinanzierung an – beides wurde mit der Begründung „die Schlossgartenfestspiele müssten Ihren Standort zunächst aus der Mittelachse verlegen“ abgelehnt.
Diese Begründung war schon seinerzeit nicht stichhaltig, weil gerade die Tatsache, dass unsere Schlossgartenfestspiele jährlich über 30.000 Besucher anziehen, jeden Eigentümer beflügeln müsste, „sein Haus“ den erwarteten Gästen in einem guten Erhaltungszustand zu präsentieren – jetzt nach der Entscheidung für eine unbegrenzte Weiterführung der Festspiele in der Mittelachse zeigt sich, dass die damalige Argumentation überhaupt jeder sachlichen Grundlage entbehrte.

Auch für das Vorhaben des Baumfällens im Schlossgarten fanden sich zunächst verschiedene Gründe, es schien sogar denkmalpflegerisch gerechtfertigt zu sein – wie immer, wenn es wie so oft in unserer Zeit an einer Gesamtbewertung und Gesamtabwägung aller Argumente fehlt.

Deshalb sei an dieser Stelle gerade auf solche denkmalpflegerischen Grundsätze für den Umgang mit historischen Gärten verwiesen, wie
  • das Altern lassen vorhandener Bestände (das im Einzelfall bei alten Bäumen, die auch großen ökologischen Wert haben, bis zum „Sterben in Würde“ führen kann),
  • die permanente Durchführung normaler Pflegearbeiten, wie regelmäßiger und fachgerechter Schnitte, evtl. nach historischen Methoden,
  • die Erneuerung verbrauchter und beschädigter Teile des Denkmals, z. B. einzelne Nachpflanzungen in Hecken oder Alleen (gerade dies wurde uns zunächst als in der Mittelachse unmöglich dargestellt, während es im gleichen Garten an anderer Stelle – zugegeben mit anderen Belichtungsverhältnissen - praktiziert wurde),
  • und als allerletztes Mittel die Rekonstruktion durch Wiederherstellung eines verloren gegangenen Erscheinungsbildes von Gartenteilen oder ganzer Gärten ohne Originalmaterial auf der Grundlage von schriftlichen und bildlichen Quellen (insbesondere das Erscheinungsbild ist in unserem Schlossgarten aber gar nicht verloren gegangen!).


Nicht vergessen werden darf in solchen Zusammenhängen immer wieder die auf ein friedliches Zusammenleben der Bürger in unserer Gesellschaft zielende Funktion unseres demokratischen Gefüges von Gesetzen und Rechtsnormen.
Ein für den Bürger nachvollziehbares Handeln im Namen von Denkmalpflege sichert somit auch den sozialen Frieden, gerade bei einem so sensiblen Streitpunkt wie ihn das Fällen von überwiegend gesunden Bäumen darstellen würde.

Nachzuvollziehen, aber durch umwelt- und verantwortungsbewusst denkende Bürger gar nicht zu akzeptieren ist das rein fiskalische Argument der Stadt, durch den Erhalt der Baumalleen würden auf die Stadt Mehrausgaben für die Pflege der Alleen zukommen. Abgesehen davon, dass auch die neu gepflanzten Bäume permanenter Pflege bedürften, tut uns hinsichtlich notwendiger wirtschaftlicher Stabilisierung in der Region ein Pflegeauftrag an einen örtlichen Gartenbaubetrieb besser als der Kauf neuer Bäume (zugegeben, in diesem Fall finanziert durch das Land) in einer weit entfernt angesiedelten Baumschule. Hier müssen wir einfach auf eine weitsichtige Finanzpolitik der Stadt auch in Zusammenarbeit mit den Landesbehörden vertrauen, die den gesamtgesellschaftlichen Bezug nicht aus dem Auge verliert.

Die Voruntersuchungen und Planungen für die Neupflanzung der Alleen sind und werden sicher gut dokumentiert und archiviert, so dass zukünftige Generationen auf sie zurückgreifen können, wenn für die nun erhaltenen Alleen tatsächlich die Stunde der Erneuerung gekommen ist.
So haben wir jetzt schon Vorkehrungen getroffen, dass die in den 80-er Jahren des 20. Jahrhunderts gemachten Fehler bei der denkmalgerechten Sanierung unseres Schlossgartens eines Tages korrigiert werden können.

Wir Neustrelitzer freuen uns auf den zügigen Beginn der Brunnensanierung und weitere so kluge und verantwortungsbewusste Entscheidungen.

Neustrelitz, d. 09. September 2010



Jürgen Haase
Vereinsvorsitzender