Erklärung zum Tag des offenen Denkmals 2006

Neustrelitz, d. 07.09.2006

Wer kämpft, kann verlieren – wer nicht kämpft, hat schon verloren


- im Sinne dieses Leitsatzes haben es sich die Mitglieder des ‚Residenzschlossverein Neustrelitz e.V.’ anlässlich der am 31.08.2006 stattgefundenen Jahreshauptversammlung zum Ziel gesetzt, trotz der bekannten Rückschläge im Kampf um die Erhaltung des kulturhistorisch wertvollen Denkmalbestandes der Residenzstadt Neustrelitz nicht nachzulassen.
Am Vorabend des Tages des offenen Denkmals 2006 musste eingeschätzt werden, dass dabei gerade Denkmale in öffentlicher Hand in ihrem Bestand höchst gefährdet sind.
Die Zerstörung der historischen Marktmitte, der Abriss des ehemaligen Gaswerks der Stadtwerke (eines der wenigen Neustrelitzer Industriedenkmale) sowie die erklärte Absicht, die reparaturbedürftige Springbrunnenanlage im Schlossgarten weiter verrotten zu lassen, stellen nur die gravierendsten Negativ-Beispiele dar.
Wenn z.B. bezogen auf das Gaswerksgebäude eben jene Kräfte, die eigentlich für den Erhalt zuständig sind, erfolgreich eine Denkmals-Zerstörung betreiben, so ist hier deutlich ein Interessenskonflikt erkennbar.
Die in Neustrelitz scheinbar zur Regel gewordene Lösung solcher Konflikte auf Kosten der eigentlich durch Gesetz geschützten unwiederbringlichen Werte kann schon deshalb nicht länger hingenommen werden, weil sie neben der zu verzeichnenden produktiven nun auch noch zur kulturellen Verarmung unserer Region beiträgt.
Wie gefährlich solche Tendenzen sind, hat das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz bereits vor der Jahrtausendwende in seinen ‚12 Thesen zu Denkmalschutz und Denkmalpflege’ hervorgehoben, indem es feststellt: „ ... wer Erinnerung auslöscht, der will immer die Menschen manipulieren“.
Gleichzeitig fordert das Nationalkomitee den Mut und die Bereitschaft der politisch Verantwortlichen, den Weg zu einer wirklich offenen Güterabwägung zu beschreiten. Die Vermischung der Entscheidungsebenen sei oft ein Mangel an politischer Reife und untergrabe fast immer die öffentliche Glaubwürdigkeit aller Beteiligten.
Den „Mutigen“ wollen die Vereinsmitglieder weiterhin zuverlässige Partner sein, so wird der Verein durch Informationsveranstaltungen in den kommenden Monaten einen Beitrag zur Versachlichung der momentanen Diskussion um die Architekturfarbigkeit bei den wichtigsten Marktgebäuden leisten. Nicht alle zur Stadtkirche veröffentlichten Äußerungen der vergangenen Tage beispielsweise lassen fundierte Kenntnisse über Intentionen und Baupraxis der Baumeister des Klassizismus erkennen.

Jürgen Haase
Vereinsvorsitzender